Herkunft – Wissen – Rückgabe. Zur Rückgabe kolonialzeitlichen Kulturguts an die Herkunftsländer

Der Vortrag am 11.10.22 ab 18:30 Uhr von Frau Prof. Hauser-Schäublin entfällt leider wegen Krankheit. Ersatzweise der Vortrag von Dr. Claus Deimel: Ein großer Deal. Die Restitution der „Benin-Bronzen“ zwischen neokolonialer Verhandlung und historischer Aufarbeitung. Mehr dazu unter "Aktuelles"
Dienstag, 11.10.2022
Ethnologische Museen und „koloniale Raubkunst“
Prof. Dr. Brigitta Hauser - Schäublin, Georg August Universität Göttingen
Die öffentliche Perspektive auf außereuropäische Kulturgüter hat sich grundlegend verändert. Im Vordergrund stehen heute die Suche und Anerkennung von kolonialer Schuld, verbunden mit Forderungen nach Rückgabe. Aber es wäre vermessen, diese Dinge darauf zu reduzieren. Sie stellen Dokumente der Menschheitsgeschichte dar, von denen die wenigsten noch existieren würden, wenn sie nicht in Museen bewahrt worden wären.

Foto: Andreas Wünschir (2019). Eine Rückgabezeremonie im Grassimuseum für Völkerkunde zu Leipzig

Dienstag, 08.11.2022
Die Heimkehr der Ahnen – Geschichten von Restitution und Repatriierung
Dr. Birgit Scheps - Bretschneider, Grassimuseum für Völkerkunde zu Leipzig
Provenienzforschung in kolonialen Kontexten umfasst nicht nur ethnographische Objekte, sondern auch menschliche Gebeine in anthropologischen Sammlungen und als Teile von Objekten. Herkunftsgemeinschaften fordern die Rückgabe dieser Sammlungen. Zur Vorbereitung von Repatriierungen wurde ein Konzept zur Rehumanisierung entwickelt, dass es ermöglicht, Sammlungsobjekte wieder als Menschen zu betrachten. Das schließt ein, nicht nur nach historischen Fakten zu recherchieren, sondern auch Biografien soweit möglich zu ermitteln. Der Vortrag stellt Ergebnisse aus Hawai’i und Australien vor, und zeigt die politische Relevanz dieser bisher unerzählten Geschichten.

Foto: Kerstin Schmidt. Rollbild Sammlung Königsmarck aus dem Landesmuseum Hannover

Dienstag, 13.12.2022
Kriegsbeute aus dem Boxerkrieg – Die Sammlung Königsmarck aus dem Landesmuseum Hannover
Maik Jachens M.A., Niedersächsisches Landesmuseum Hannover
Im November 1909 schenkte Friedrich Adolf Graf von Königsmarck (1868-1945) dem damals noch Provinzialmuseum genannten Landesmuseum Hannover einige Objekte aus China. Der Graf galt als schillernde Persönlichkeit, war u. a. ein bekannter Herrenreiter (d.h. Sportreiter) des wilhelminischen Deutschlands. Vor seiner Dienstzeit in Hannover war er in Ostasien im Einsatz und nahm auch am Boxerkrieg (1900-1901) teil. Im Zuge der Plünderung Pekings, bei der es zu brutaler Gewalt gegen die Einwohner der Stadt gekommen war, erbeutete von Königsmarck die besagten Objekte. Der Provenienzforschung des Landesmuseums war es möglich, den Weg der Objekte nachzuzeichnen, der Vortrag präsentiert die Ergebnisse dieser Recherche. Neben den historischen Umständen, der Biografie des Sammlers und dem kulturellen Hintergrund der Objekte wird auch die Frage diskutiert, wie mit Sammlungen dieser Art zukünftig zu verfahren ist.

Foto: J. Schwanke; Naturalien-Cabinett im Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg

Dienstag, 10.01.2023
Endstation Oldenburg? – Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten auf dem Prüfstand
Jennifer Tadge, Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg
Die Debatten über den Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten, und dessen Verbleib, haben auch im ehemaligen Großherzogtum Oldenburg Einzug gehalten. Durch Drittmittelprojekte gelangen Bestände aus Ethnologie, Naturkunde und Anthropologie auf den Prüfstand. Wie lautet die Zwischenbilanz dieser Projekte und welche Perspektiven – für Menschen und Objekte – ergeben sich daraus?

Dienstag, 14.02.2023
Herkunft auf dem Prüfstand: Fragen nach illegalem Handel und illegaler Ausfuhr aus Herkunftsstaaten
Dr. Claudia Andratschke, Niedersächsisches Landesmuseum Hannover
Die Provenienzforschung am Landesmuseum Hannover ist seit 2013 für alle Fachbereiche des Hauses zuständig. Bei den Recherchen stehen die Identifizierung von NS-Raubgut und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten im Fokus, doch geraten sowohl bei der Überprüfung der Altbestände als auch der Neuannahme von Sammlungen auch andere mögliche Unrechtskontexte ins Blickfeld. Dazu gehören Fragen des illegalen Handels und der illegalen Ausfuhr, die der Vortrag anhand von ausgewählten Beispielen aus dem Fachbereich Ethnologie näher beleuchten möchte. Außerdem soll diskutiert werden, inwiefern abseits von formal-juristischen Fristsetzungen wie der erst 2007 von der BRD ratifizierten UNESCO-Konvention von 1970, der Novellierung des Kulturgutschutzgesetzes oder den ICOM Red Lists nicht auch moralisch-ethische Prinzipien bei der Bewertung der Herkunft von Museumsobjekten eine Rolle spielen sollten

Foto: Dirk Scherer. Patronengurt des OvaMbanderu Chief Kahimemua Nguvauva, der 1896 von Mitgliedern der deutschen Schutztruppe im damaligen Deutsch-Südwestafrika exekutiert wurde. Der Gurt wurde ihm vom Braunschweiger Gustav Voigts im Zuge seiner Entwaffnung abgenommen, der diesen 1898 dem Städtischen Museum unter Rechtsvorbehalt übergab.

Dienstag, 14.03.2023
Im Zeichen des Gurtes – Zur Provenienzforschung von Sammlungen aus „kolonialen Kontexten“ im Städtischen Museum Braunschweig
Dr. Rainer Hatoum, Städtisches Museum Braunschweig
Als in Braunschweig 2019 die langjährige Suche nach demPatronengurt des legendären Chief Kahimemua, dem ersten namhaften Opfer deutsch-kolonialer Gewalt im damaligen Südwest-Afrika, einen Durchbruch erzielte, nahm die Beschäftigung mit Sammlungen aus kolonialen Kontexten am StädtischenMuseum eine neue Dimension an. Sie blieb jedoch nicht auf diesen einen Fallbeschränkt. In seinem Vortrag wird Dr. Rainer Hatoum einen Überblick über die verschiedenen Herangehensweisen und Projekte geben, die die bisherige Auseinandersetzung mit Sammlungen aus kolonialen Kontexten am Städtischen Museum bestimmt haben.


Dienstag, 11.04.2023
Das kooperative Museum – Zukunft der ethnologischen Sammlungen
Prof. Dr. Alexis von Poser, Ethnologisches Museum und Museum für Asiatische Kunst Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Die Aufarbeitung der ethnologischen Sammlungen in Deutschland findet zunehmend in Co-Operation mit Partner*innen aus Herkunftsregionen statt. Gemeinsam wird entschieden, ob und wie Objekte weiterhin in deutschen Museen gezeigt werden können oder ob sie in die Herkunftsregionen zurück gehen sollten. Der Vortrag geht auf unterschiedliche Methoden der Zusammenarbeit im Humboldt Forum ein, sowie auf mögliche Kooperationen und deren Ergebnisse.

Unsere Veranstaltungen finden, soweit nicht anders angegeben, um 18:30 Uhr im Vortragssaal des Niedersächsischen Landesmuseums, Willy-Brandt-Allee 5, statt. Der Eintritt ist frei, wir bitten um eine Spende.

EGH-Programm
Oktober 2022 bis
April 2023
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