Veranstaltungsreihe „Vom Un-Gleichgewicht der Geschichten“

Unter dem Eindruck der „Corona-Krise“ versuchen wir, ethnologische Themen neu zu ordnen und zu fragen: Wer spricht eigentlich? Die Themen unseres Vortragsprogramms befassen sich alle mit Formen der Erinnerung, unterscheiden sich aber in den Darstellungsweisen: Wer dokumentiert wessen Geschichte, wer hört zu, wie kann ein Gleichgewicht erreicht werden?

1.Quartal 2022

Dienstag 07.12.2021
Afrika: Welten und Geschichten aus 300 Jahren
Prof. Dr. Helmut Bley
Professor Bley stellt sein neues Buch über die Verflechtungen vorkolonialer, kolonialer und postkolonialer Zeiten vor, in dem er Mobilität und Interethnizität in der vorkolonialen Periode betont und auf den langen Vorlauf europäischer Einflüsse seit dem 15. Jahrhundert verweist, was zu kosmopolitischen Einstellungen der Küstenbevölkerung geführt hat. Noch im 19. Jh. glaubten viele Afrikaner an ihre Teilhabe an der europäischen Zivilisation, bis sie ausgeschlossen wurden. Es werden unterschiedliche Rassismus-Erfahrungen und der Einfluss der Weltkriege auf Afrika diskutiert.

Dienstag, 11.01.2022
Die Kamerun-Sammlung unter die Lupe genommen. Ethnologische Provenienzforschung im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover
Bianca Baumann M.A.
Im Rahmen des Forschungsprojekts PAESE wird der Sammlungsbestand des Landesmuseum analysiert, der auf die deutsche Kolonialzeit in Kamerun zurückgeht. Im Zentrum stehen dabei Fragen, wie und unter welchen Umständen die Sammler Objekte an sich gebracht haben. Der Vortrag widmet sich den Herausforderungen und Chancen einer ethnologischen Provenienzforschung.

Dienstag, 08.02.2022
Auch Statuen sterben. Das Museum im Film
Thomas Tode M.A.
Welche Eigenschaften kennzeichnen das Museum, wenn es in Spielfilmen und Dokumentationen erscheint? Ein Ort der Belehrung und des Schönen, Klassischen, Ewigen, als Repräsentationsort der Eliten oder gar als Ort des Verdrängten, Unheimlichen.

Dienstag, 08.03.2022
Matriarchinnen auf Madagaskar – zwei Porträts
Christine Sterly–Paulsen M.A.
Gemeinsam sind einer Adligen aus Antananarivo und einer Heilerin aus Morombe ihre außergewöhnliche Bedeutung. Die eine als Oberhaupt einer Großfamilie, die andere als die angesehenste Heilerin ihrer Dorfgemeinschaft. In beiden Porträts zeigen sich matriarchalische Strukturen in unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und Regionen Madagaskars.

2. Quartal 2022

Dienstag, 12.04.2022 (der 2020 zweimal entfallene Vortrag wird nun nachgeholt)
Bayerns Brasilien-Expedition 1817 – 1820
Dr. Maximiliane Rieder
In der Nachfolge von Humboldts Reise ins spanisch beherrschte Süd- und Mittelamerika begaben sich die bayerischen Naturforscher Carl Friedrich Philipp Martius (1794-1868) und Johann Baptist Spix (1781-1826) in die portugiesische Kolonie (Reino Unido de Portugal, Brasil e Algarves). Die Ergebnisse ihrer Forschungsreise spielen noch heute eine bedeutende Rolle in Botanik, Zoologie und Ethnographie (Gründungssammlung des Museums Fünf Kontinente, München). Nach dem Vorbild des nicht zu Ende edierten Reisewerks von Humboldt publizierten die beiden Forscher bereits zwischen 1823 und 1831 ihren Reisebericht, die bedeutendste Landeskunde Brasiliens im 19. Jahrhundert. Während Spix bald an den Folgen der Reise starb, konnte der Universalgelehrte Martius die Ausbeute der Expedition wissenschaftlich bearbeiten (Flora Brasiliensis).

ETHNOLOGISCHE GESELLSCHAFT HANNOVER, PODIUMSGESPRÄCH
Mittwoch, 27.04.2022, 18:30 – 20:30 Uhr
Post?Kolonialismus
Kolonialismus ist nicht nur ein Phänomen der Vergangenheit, sondern hat viele aktuelle Gesichter. Wir sprechen daher über Auswirkungen des Kolonialismus und gehen Ursachen und Formen von Rassismus auf den Grund. In Hannover haben wir bereits begonnen, Spuren des Kolonialismus anzusprechen und sichtbar zu machen. Doch es gilt weiter zu fragen: Was können wir tun um uns, unsere Stadt und das Museum zu dekolonisieren?
Die Veranstaltung der EGH in Kooperation mit kargah e.V. und dem Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen e.V. wird gefördert durch die Amadeu Antonio Stiftung.

Unsere Veranstaltungen finden, soweit nicht anders angegeben, um 18:30 Uhr im Vortragssaal des Niedersächsischen Landesmuseums, Willy-Brandt-Allee 5, statt. Der Eintritt ist frei, wir bitten um eine Spende.

Bitte beachten: gemäß der Hausordnung des Landesmuseums gilt weiterhin die FFP2-Maskenpflicht für den Zugang zum Vortragssaal.

EGH-Programm
Oktober 2021 bis
April 2022
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